Freiräume schaffen
Wir stehen noch ganz am Anfang unseres Projektes “DIY”, sodass wir sowohl eine thematische Ausrichtung als auch eine inhatliche Kontinuität erst noch finden müssen. Sicher sind wir aber in einem, wir glauben an eine Lebensphilosophie, antiautoritärer Prägung, mit starken emanzipatorischen Einflüssen. Wir betrachten uns also weder als eine Gruppe in einer Bewegung, noch als eine in einer Szene. Wir glauben an Freiheit und Selbstbestimmung, an Gleichheit und Solidarität. Und das verbindet uns. Linksradikal ist für uns nicht nur trockne Ideologie, sondern viel mehr ein Gefühl. Wir wollen trotzdem auch theoretisches Wissen bieten, um eben dieses Gefühl zu unterfüttern.
Warum Freiräume schaffen?
Bevor wir darauf genauer eingehen können, müssen wir erst einmal klären was Freiräume überhaupt sind! Freiräume sind im linksradikalen Kontext Orte der Selbstbestimmung, in denen sich Individuen frei ausleben und entwickeln können. Frei von den hierachischen, sexistischen, homophoben, rassistischen, speziezistischen, nationalistischen, kapitalistischen Einflüssen. Klingt erstmal ziemlich heftig, oder? Einfach gesagt, sind Freiräume Häuser (oder allgemeiner “Orte”), nicht immer unbedingt nur besetzte, in denen Menschen leben, die an das friedliche Zusammenleben von Menschen untereinander, und oft auch mit Tieren, auf einer gleichberechtigten Basis glauben. Damit aber nicht nur ein paar Bewohner davon profitieren, öffnen sich diese Freiräume oftmals auch für andere. So wird ein leerstehendes Haus zum alternativen Hausprojekt und ganz schnell zum Veranstaltungsort, einem Freiraum für alle. Volxküchen, Partys, Konzerte, Vorlesungen, Vorträge, Ausstellungen, und allem was mensch in den Sinn kommt. Der Freiraum ist also ein strategisch wichtiger Ankerpunkt einer linksradikalen “Szene”. Mit Veranstaltungen in einem solchen Rahmen, oftmals mit explizit politischer Botschaft, kann mensch die reichhaltige linke Kultur vorgelebt werden, sei es die Hardcore-Band mit ihren kritischen Texten, ein günstiges (oder kostenloses) veganes Mittagessen in der Volxküche, oder ein Einblick in, vom Freiheitsdrang beflügelte, Literatur bei einer Vorlesung. Auch eine Fahrradwerkstatt oder ein Umsonstladen können Anlaufspunkt für Menschen sein. Hausprojekte mit größeren finanziellen Möglichkeiten, was leider viel zu selten der Fall ist, können auch über die Anschaffung von PC’s (für ein kostenloses Internetcafè) oder von Kopierern und Druckern (für Flyer, Flugblätter, Zeitungen, Broschüren Plakaten oder sogar Bücher) nachdenken. Bei Demonstrationen können viele Anreisende für eine Nacht untergebracht werden, aber auch sonst können Durchreisende dort oft einen Anlaufpunkt finden. Alles in allem stärkt ein Freiraum nicht nur das Individuum, dass sich frei entfalten kann, sondern oftmals auch ihr Kontext, der emanzipatorische Teil der Gesellschaft, und damit eben die Struktur einer Bewegung.
Reclaim the Streets
Natürlich sind nicht nur das Autonome Zentrum, die vegane WG oder die Kommune ein Freiraum in dem Menschen sich entfalten können. Schnapp dir einen Liegestuhl, einen Getthoblaster und eine Palme, setz dich auf den Martkplatz und lebe deinen eigenen kleinen Freiraum. Leider wirst du in den meisten Städten schnell von Bullerei oder Ordnungsamt-MackerInnen vertrieben. Spätestens wenn du ein paar Freunde auf deine urbane karibische Insel einlädst, um mit ihnen Cocktails zu trinken und unter Palmen den sonnigen Tag zu genießen, marschieren vermutlich die Systemstricher auf und wollen dir die gute Laune verderben. Denn was du da machst, ist eine politische Aktion. “Reclaim the Streets” (zu dt. “Hol dir die Straßen zurück”) nennt sich die Aktionsform, die oftmals wohl das positivste Feedback von den Passanten einbringt. Ob nun eine Critical Mass, also eine Fahrrad-Demo, sich mal eben den Straßenverkehr aneignet und den Blechbüchsen den Rang abläuft, oder ob die Tanzguerilla eine U-Bahn mit unkonventionellen “Performances” zum beben bringen, das alles ist “Reclaim the Streets”.
Wann und wo diese Aktionsform wirklich entstand ist schwer zu sagen, klar ist nur: es geht darum, den öffentlichen Raum zurückzugewinnen, ihn zu nutzen, kreativ zu sein und Spaß zu haben. Manchmal nehmen solche Aktion Karnevalartige Zustände an, manchmal bleibt es aber auch einfach bei einer gemütlichen Runde mit Kaffee und Kuchen auf der Hauptstraße.
Das ist unser Haus!
1970 begann der Frankfurter Häuserkampf, welcher als Ursprung der deutschen Hausbesetzerszene gilt. In Nachkriegsdeutschland hatte Frankfurt eine wichtige wirtschaftliche Stellung, sodass eine Gruppe von Spekulanten (ca. 30 Personen) begannen, Grundstücke aufzukaufen und Wohnhäuser abzureissen um Bürokomplexe zu bauen. An dieser Stelle regte sich Widerstand, Menschen begannen Häuser zu besetzen, um sie als Wohnraum zu erhalten, aber eben auch um Freiräume zu schaffen. Auch in Berlin entwickelte sich eine Besetzerszene, die 1980 ihren Höhepunkt mit 160 besetzten Häusern fand. In Deutschland behandelt die Justiz Hausbesetzung als Hausfriedensbruch, oftmals wird auch versucht mit Sachbeschädigung zu argumentieren.
Eine Hausbesetzung ist heutzutage schwierig durch zu setzen, da die Polizei in der Regel relativ schnell gegen solche Versuche vorgeht. Trotzallem ist es weiterhin ein wichtiger Bestandteil der linken Kultur, der hoffentlich erhalten bleibt und mit der Zeit wieder erstarkt. Um den Rahmen hier nicht zu sprengen, wollen wir auf eine detailierte Beschreibung, bzw eine “Anleitung” verzichten und euch einfach diesen Link ans Herz legen:
http://deu.anarchopedia.org/Hausbesetzung
Dieser Hörsaal ist besetzt
Es war ein heißer Sommer, die bundesweiten Vorbereitungstreffen machten zuversichtlich: Der Bildungsstreik würde erfolgreich. Und tatsächlich, im Juni 2009, gingen 270.000 Menschen auf die Straße, gegen das Bildungsystem, und für eine Perspektive. Parelell dazu, begannen StudentInnen Hörsääle zu besetzen, im Mai 2009 wurde ein Trakt der Uni Leipzig 40 Tage lang besetzt gehalten. Doch was bevorstand konnte sich keiner so recht Träumen lassen. Der “heiße Herbst” begann mit vielfältigen Aktionen, und mündete in einer Welle von Uni-Besetzungen (und auch die eine oder andere Schulbesetzung). Vielerorts schaffte der Bildungsstreik nicht die Verknüpfung mit radikalen, antikapitalistischen Forderungen, andererorts klappt das mehr als vorbildlich. Noch vor wenigen Tagen (am 30.1.10) zogen 3000 Menschen durch Frankfurt am Main und machten deutlich wo sie stehen. Die Studentenbewegung wird Antikapitalistisch, die Forderungen Radikaler. Abschaffung der Studiengebühren war gestern, heute will mensch mehr, mensch will Mensch sein, und das zu Recht. So wurden vieler Orts die besetzten Hörsääle genutzt um das Kritisierte in die Tat umzusetzen. So gründete sich zum Beispiel in Saarbrücken die “Freie Fakultät Saarbrücken”. JedeR kann eine Vorlesung halten, und JedeR (mensch muss nicht einmal Student sein) kann diese Besuchen, kostenfrei.
Probleme im Freiraum
Oftmals scheitern ambitionierte Projekte an Sexismus, Randale oder übermäßigem Drogenkonsum (auch Alkohol ist eine Droge). Einen Freiraum schaffen, der mensch eben nicht die Sicherheit bietet, sich selbst zu entfalten, ist gescheitert. Wenn also zum Beispiel Homosexuelle als “Schwuchteln” oder “Arschficker” beschimpft werden, muss reagiert werden. Homophobie hat nichts in einem Freiraum zu suchen, so dass homophoben Menschen Hausverbot erteilt werden sollte. Genauso verhält es sich mit Gewalt. Menschen die randalieren wollen, gefährden nicht nur sich und andere, sondern auch den Freiraum an sich. Der Staat nimmt gerne jede Gelegenheit war, einen Freiraum zu kriminalisieren, die Presse steht drauf, wenn sie über gewalttätige linke Chaoten berichten kann.
(A)
